
Eine Umarmung, eine sanfte Berührung – für unsere Seele und unsere Gesundheit sind Berührungen enorm wichtig! Jetzt in der Vorweihnachtszeit steht uns der Sinn ganz besonders nach gemütlichen Stunden mit unseren Liebsten. Genießen Sie diese Zeit und lassen Sie sich drücken, kuscheln und herzen.
Was ist hier denn los? So mancher Spaziergänger in der Münchner Innenstadt machte Anfang Oktober große Augen. Mitten auf dem Marienplatz lagen sich die Menschen in den Armen, überall wurde umarmt und gedrückt. Die Erklärung für die ungewöhnliche Aktion: Ein Buchverlag hatte im Netz zum Flashmob aufgerufen. Hintergrund war die Promotion für ein Buch, das sich mit der heilenden Wirkung von Berührungen auseinandersetzt. Und mit der witzigen Aktion trafen die Organisatoren ins Schwarze. Denn viele Menschen wünschen sich in ihrem Alltag mehr zwischenmenschliche Berührungen, das ergab eine im Vorfeld der Aktion in Auftrag gegebene Studie.
Berührungen: Ohne sie können wir nicht leben
Wie tröstlich, wohltuend und gesundheitsfördernd Berührungen für uns sind, steht für Wissenschaftler schon lange fest. Die Sehnsucht nach Berührungen ist uns in die Wiege gelegt. Schon bevor wir auf die Welt kommen, wird unser Leben von ihr geprägt. Wussten Sie zum Beispiel, dass ein Ungeborenes schon in der achten Schwangerschaftswoche spürt, wenn seiner Mutter sanft über die Bauchdecke gestreichelt wird? Babys könnten sich ohne Körperkontakt nicht entwickeln – es hat also einen guten Grund, dass die Anwesenheit der kleinsten Erdenbewohner bei Erwachsenen das unwiderstehliche Bedürfnis auslöst, sie auf den Arm zu nehmen und zu knuddeln. Kein anderer Sinn entwickelt sich so früh und löst so tiefe Empfindungen aus, wie der Tastsinn. Im Gehirn beansprucht er sogar das größte Areal von allen Sinnen.
Oxytocin: Das Kuschelhormon Doch woher genau kommt diese Kraft der Berührung? Bei jeder Streicheleinheit wird das Glückshormon Oxytocin ausgeschüttet und der Pegel des Stresshormones Cortisol gesenkt. Auch wenn die Experten noch nicht alle Geheimnisse des Kuschelhormons Oxytocin entschlüsselt haben, legen mehrere Studien nahe, dass die Ausschüttung des Hormons vor depressiven Verstimmungen schützt und die Stress-Resistenz erhöht. Außerdem fördern zärtliche Berührungen das Vertrauen, festigen Bindungsgefühle und können sogar Schmerzen lindern.
Berührungen sind also eine echte Allzweckwaffe für das Wohlbefinden und die Gesundheit. Von ihrer gesundheitsfördernden Kraft profitieren auch Menschen, die momentan nicht das Glück haben, frischverliebt, geküsst und Händchenhaltend durch die Welt zu gehen. So fanden Forscher des Touch Research Institute in Miami heraus, dass auch Massagen eine heilende Wirkung haben können. Während der Behandlung schüttet der Körper nachweißlich weniger Stresshormone, dafür aber vermehrt Nervenbotenstoffe aus, die eine beruhigende Wirkung haben. Das hilft gegen Schmerzen aller Art und entspannt sogar Asthmapatienten. Die Berührungen während einer Massage können uns also psychisch stabilisieren, ersetzen kann sie die Berührungen eines geliebten Menschen jedoch nicht.
Berührungen tun also der Seele und dem Körper gut und diesem Gesundheitsauftrag kommen wir doch nur allzu gerne nach! Und das ganz besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit.